Carsten Kühl bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 30. Januar in Mainz

Carsten Kühl hat auf einer Diskussionsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die gestern in Mainz stattfand und mit dem Titel „Wer hat, dem wird gegeben … Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland – (k)ein Problem“ überschrieben war, davor gewarnt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland verloren geht.

Wenn Ungleichheit größer werde, würden auch die Probleme in einer Gesellschaft größer. „Ökonomen warnen seit langem davor, dass wachsende Ungleichheit die Wachstums- und Wohlstandschancen mindert. Erlebte Ungerechtigkeit ist außerdem ein Nährboden für Nationalisten und Populisten“, so Kühl. Am wichtigsten sei es, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu beseitigen. Wer für seine Arbeit anständig bezahlt würde, würde nicht an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und könne für eine auskömmliche Alterssicherung sorgen.

Wenn der Staat zur Sicherung des sozialen Ausgleichs weitere Steuereinnahmen benötige, müsse er vor allem bei der Steuerhinterziehung und der aggressiven Steuervermeidung ansetzen. Hier liege das mit Abstand größte Potential für Steuermehreinnahmen und im Übrigen auch für gezielte Entlastungen der ehrlichen Steuer- und Beitragszahler. „Steuerhinterziehung ist Betrug am Gemeinwohl und wer seine Gewinne über Scheinfirmen in Steueroasen verlagert, verschafft sich zudem ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile gegenüber den Unternehmen, die aus Anstand auf solche Steuergestaltungen verzichten“, so Kühl.